Eine Einführung in das Thema

Häufig sind bei technikgeschichtlich interessanten Objekten die Originale nicht mehr erhalten geblieben. Mit etwas Glück findet man noch historische Fotografien von ihnen. Wenn man von diesem Objekt ein geometrisch ähnliches Modell anfertigen will, so stehen hierfür nur wenige Wege offen. Man kann beispielsweise anhand der Fotografie die Proportionen grob schätzen oder die perspektivischen Verkürzungen der Fotografie durch geschätzte Entzerrungsfaktoren beseitigen. Leider ist das menschliche Auge gegen geometrische Disharmonien sehr empfindlich. Die geschätzten Proportionen wirken oft unnatürlich. Eine andere Möglichkeit besteht in der Anwendung der Gesetze der Geometrie, in diesem Spezialfall sind es die Gesetze der Perspektive oder genauer, der Zentralprojektion. Unbearbeitete historische Fotografien sind geometrisch exakte Zentralprojektionen. Eine entsprechende Auswertung dieser Zentralprojektionen kann die gesuchten Proportionen des Objekts in einzelnen Ansichten liefern.

Die Wissenschaft der Geometrie war im 19. Jahrhundert Basiswissen für fast alle naturwissenschaftlichen Disziplinen. Heute findet man dieses Wissenschaftsgebiet nur noch versteckt in der mathematischen Umsetzung in sogenannten 3D-Animationen und in den CAD-Programmen der Konstruktionstechnik. Die rein zeichnerischen Verfahren sind vollständig in Vergessenheit geraten. Sie wurden früher sehr intensiv genutzt. In der Architektur wurden beispielsweise aus den „zweidimensionalen“ Zeichnungen anschauliche (perspektivische) Bilder der Bauobjekte „mit zeichnerischen Verfahren“ entwickelt. Die Problemsituation beim Bau eines Modells ist einfach die Umkehrung dieser Fälle. Das zentralprojektive Bild ist gegeben, wir suchen die technischen Ansichten in den wahren Proportionen.

Auch diese Umkehrung ist nicht neu. Bei der Erstellung von Landkarten verwendete man frühe Aufnahmen aus Flugzeugen, die mit Doppelbild-Kameras ausgerüstet waren. Es gab sogar einfache mechanische Instrumente, die die Auswertung der Bilder und das Zeichnen der Karten selbsttätig erledigten. Bei der Rekonstruktion technischer Objekte aus Zentralprojektionen ist die Ausgangssituation schwieriger. Die theoretisch notwendigen Doppelbilder sind nie vorhanden. Es sind aber sehr oft geometrische Elemente beim fotografierten Objekt vorhanden, die eine besondere Lage im Bild haben und deren Lagezuordnung bekannt. Das gilt besonders für technische Objekte. Damit kann eine geometrische Rekonstruktion auch ohne Doppelbilder versucht werden. Das Erfreuliche bei der Anwendung der geometrischen Verfahren ist, dass keine theoretischen Vorkenntnisse vorhanden sein müssen. Ein exzellentes räumliches Vorstellungsvermögen und gute Fertigkeiten im technischen Zeichnen reichen aus. Das Unerfreuliche bei dieser Disziplin ist, man muss die Verfahren mühsam lernen. Der Aufwand rechtfertigt im Allgemeinen nur die Rekonstruktion einer geringen Zahl proportionsbestimmender Hauptmerkmale des Objekts.

In dem Buch Geometrische Rekonstruktionen wird das Vorgehen bei der Auswertung perspektivischer Bilder auf anschauliche Weise in kleinen Schritten erläutert. Nach der Darstellung der Grundlagen der Zentralprojektion geht es zu den geometrisch Verfahren der Rekonstruktion. Von den einfachen Fällen zu den schwierigen. Zahlreiche Beispiele ausgeführter Rekonstruktionen runden das Bild ab. Das Erlernen der Verfahren dauert seine Zeit und erfordert viel Übung. Trotzdem ist es im Zeitalter digitaler Technik überaus zufriedenstellend und motivierend, wenn man manchmal auch versteht, was man tut.

Geometrische Rekonstruktionen

Praktische Einführung in die Auswertekonstruktion perspektivischer Bilder.

  • Inhalt (Auszug):

    • Grundlagen der Darstellenden Geometrie
    • Perspektiven und zentralprojektive Abbildungen
    • Grundlagen der Rekonstruktion
    • Geometrisch exakte Verfahren der Rekonstruktion
    • Geometrische Näherungsverfahren der Rekonstruktion
    • Perspektivische Bilder (z. B. Fotografien) als Vorlagen für eine Rekonstruktion
    • Zahlreiche Beispiele ausgeführter Rekonstruktionen

    Insgesamt sind in dem Buch 12 vollständig ausgearbeitete Rekonstruktionsbeispiele enthalten.

  • Format: Großformat (DIN A3; quer)

    • Einband: Buchbindereinband
    • Vorder- und Rückseite Hartdeckel bezogen mit schwarzer Elefantenhaut, Vorderseite mit Prägung für Bild und Schriftzug
    • Abmessungen 32cm x 44cm
    • Bindung: Rücken dunkelgraues Gewebe/Karton; Vierfach-Schraubbindung (jederzeit lösbar, ergänzbarer Inhalt)
    • Papier: CLC Natur, hochfein, extraglatt, 100 g/m2
    • Vorlageblätter: Elefantenhaut, 120 g/m2

Druck:

  • Fotomechanische Wiedergabe

Umfang:

  • Anzahl der Seiten: 240 Seiten DIN A3
  • Anzahl der Abbildungen: 186
  •  Anzahl der ganzseitigen Tafeln: 71

Preis:         96,- Euro

 

Erschienen: 2005. Stand: 2016 (Umfang und Preis des Buches können sich in Abhängigkeit von der Anzahl der aufgenommenen Beispiele ändern)

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