Beschreibung des Modells des Scotte Dampfbusses aus dem Jahr 1892

Die ersten größeren Fahrzeuge zur Personenbeförderung auf üblichen Straßen wurden schon Anfang des 19. Jahrhunderts in England und Frankreich gebaut. Mit „Omnibussen“ hatten sie nur entfernte Ähnlichkeit. Oft wurden nur einfache Kutschenkästen auf Wagen gesetzt. Die Antriebsmaschine, natürlich eine Dampfmaschine, wurde an zweckmäßiger Stelle im Wagen untergebracht oder als separate Zugmaschinen vorgesetzt. Eine typische Bezeichnung für diese Selbstfahrer war „Dampfkutsche“. Bekannte Hersteller waren beispielsweise in England Burstall, Griffith, Gurney, Hancock u.a. sowie in Frankreich Cail, Dietz, Lotz, Michaux u.a. und später dann die Busse von Bollée und Scotte.

Beim Bau dieser frühen Selbstfahrer wurde ganz selbstverständlich auf die traditionelle Bauweise der Kutschen und Fuhrwerkswagen zurückgegriffen. Der tragende Baustoff war Holz. In den Kutschen- und Wagenmanufakturen lagen Erfahrungen aus mehreren Jahrhunderten im Bau dieser Fahrzeuge vor. Insbesondere beim Kutschenbau waren Leichtbau, Komfort und Langlebigkeit Standardeigenschaften, die von den späteren Ganzmetallkonstruktionen erst nach jahrzehntelanger Entwicklung erreicht wurden. Die neue Dampftechnik wurde nach einiger Entwicklungszeit meist im Front- oder Heckbereich in die alte Technik integriert. Es sind Fahrzeuge in typischer Mischbauweise entstanden. Die Rahmen, Räder und die Kabinenaufbauten bestanden aus Holz, Maschinen, Kessel und hochbeanspruchte Teile waren aus Eisen. Es ist außerordentlich erstaunlich, wie lange sich diese traditionelle Bauweise im Fahrzeugbau gehalten hat. Der Dampfbus von Scotte ist zum Ende des Jahrhunderts einer der letzten Selbstfahrer, die in Mischbauweise hergestellt worden sind.

Der Hersteller Scotte (der ursprüngliche Namen war J. Crotte) ist erst spät als Fahrzeughersteller in Erscheinung getreten. Der Dampfbus von 1892 war eines der ersten von ihm gebauten Fahrzeuge. 1883 gründete Scotte in Paris eine eigene Gesellschaft zum serienmäßigen Bau von Dampfwagen aller Art, unter anderem entstand 1896 ein großer Dampfbus mit einer Leistung von 16 PS, der mit einem Personenanhänger zusammen 38 Personen!! befördern konnte.

Der Dampfbus von Scotte, der diesem Modell zugrunde liegt, war eine typische Konstruktion in Mischbauweise. Der Rahmen und die Kabine waren ganz aus Holz. Auch die Räder besaßen hölzerne Felgen und Speichen. Der Kabinenaufbau war von kleineren Pferdebußen übernommen worden. Der Kessel und die Zweizylindermaschine standen einfach vor dem Fahrersitzplatz. Der Rauchrohrkessel wurde mit Koks gefeuert. Die Dampfmaschine besaß eine Umsteuerung, die vom Fahrer direkt bedient werden konnte. Die Achsen, Achsbefestigungen und Federungen waren aus Eisen. Die Geschwindigkeit des Busses lag bei max. 12 km/h. 6 bis 8 Personen hatten in der Kabine Platz. Der Zutritt lag hinten.

Von dem Dampfbus von Scotte aus dem Jahr 1892 liegen keine brauchbaren Beschreibungen oder technische Skizzen vor. Ein Fahrzeug ist erhalten geblieben, allerding in Frankreich. Von diesem Bus gibt es eine Reihe guter Fotografien. Aus einer dieser Fotografien wurden mit Hilfe einer geometrischen Rekonstruktion die wesentlichen Proportionen ermittelt. Sie sind Basis der Modellkonstruktion. Die wichtigsten Daten des Modells sind:

Modelldaten

Modellmaßstab:                                 1 : 6

Modellaufbau:                                   modular, 7 Baugruppen

Größe des Modells:                           Länge 820 mm, Breite 400 mm, Höhe 680 mm

Gewicht:                                            190 N

Kessel:                                               Rauchrohrkessel, Inhalt ca. 0,6 Liter

Feuerung:                                           Gasfeuerung mit Flächenbrenner

Antrieb:                                              stehende Zweizylindermaschine mit Umsteuerung

Vorgelege mit Kettentrieb

starre Hinterachse über Riemen angetrieben

Lenkung:                                             Vorderachse mit Achsschenkellenkung

Zeichnungen

EPSON MFP image
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