Der Dampfbus von Hermann Michaelis aus dem Jahr 1887

Die Maschinenfabrik und Eisengießerei von Hermann Michaelis aus Chemnitz ist als Hersteller von Fahrzeugen nur wenigen Spezialisten bekannt. Leider, denn Michaelis war einer der Pioniere im Nutzfahrzeugbau in Deutschland. Seine Selbstfahrer besaßen natürlich noch Dampfantrieb. Mitte der 1870er Jahre hatte er mit der Entwicklung erster moderner Lastkraftwagen begonnen. 1877 fuhr der erste Dampf-Frachtwagen, so nannte man diese Selbstfahrer damals, in Chemnitz. Er transportierte Güter aller Art zur eigenen Fabrik und im Auftrag für andere Unternehmen. Ab 1880 sind von Michaelis erste Dampfwagen zur Personenbeförderung gebaut und eingesetzt worden, und zwar kleinere Dampfbusse. 1886 wurde der große Dampfbus in moderner Bauart fertiggestellt und ab 1887 eingesetzt. Dieser Bus ist Vorbild für dieses Modell. Bekannt geworden ist er durch einen Einsatz in Dresden. Im Jahr 1887 fuhr er kurze Zeit im Linienbetrieb zwischen dem Hauptbahnhof und einem Ausflugsgebiet. Michaelis war nach derzeitigem Kenntnisstand der Erste, der einige moderne Lastkraftwagen und moderne Omnibusse gebaut und betrieben hat. Der Einsatz des Dampfbusses in Dresden war der erste Linienbetrieb eines modernen Kraftbusses in Deutschland. Linienbetrieb heißt: behördlich genehmigt, Fahren nach Plan, befahren fester Routen und das alles zu vorher bekannt gegebenen Preisen.

Der große Dampfbus hatte in der Kabine 16 Sitzplätze und 9 Stehplätze. Zwei offene Sitzplätze und einige Stehplätze befanden sich auf dem Perron. Der Bus wurde von einer Person bedient, die das Fahren übernahm und während der Wartezeiten das Heizen. Die Person saß vorne im Freien. Die vorderen Räder wurden direkt angetrieben, die hinteren wurden gelenkt. Die Fahrgeschwindigkeit lag bei etwa 8 bis 12 km/h.

Michaelis hat insgesamt etwa ein halbes Dutzend Dampfselbstfahrer zur Personenbeförderung gebaut. Von dem großen Dampfbus von 1887 mit Sicherheit nur ein Exemplar. Dauerhaft erfolgreich waren weder die Frachtwagen noch die Omnibusse von Michaelis. Auch die Spur des großen Dampfbusses verliert sich nach 1888. Die Fahrzeuge waren für das vorhandene Wege- und Straßensystem zu schwer und der Betrieb unter den verkehrstechnischen Gegebenheiten mit Reitern, Kutschen, Fuhrwerken aller Art und Fußgängern zu gefährlich.

Die Informationssituation zum Dampfbus von Michaelis war außerordentlich schlecht. Technische Daten waren nicht vorhanden, weder Leistungs- noch Ausführungsdaten. Selbst die Hauptabmessungen des Fahrzeugs fehlten. Es gab zwei zeitgenössische Fotografien von der Eröffnung des Linienbetriebes in Dresden. Aus diesen Fotografien wurde dann eine geometrische Rekonstruktion versucht. Einige technische Details konnten aus den Patenten gewonnen werden, die den Fahrzeugen von Michaelis zugrunde lagen. Die Hauptabmessungen ergaben sich dadurch, dass beim Bus ein bekannter Kabinenaufbau einer Pferdebahn verwendet wurde. Die wichtigsten Modelldaten sind:

Modelldaten

Modellmaßstab:                             1 : 6

Modellaufbau:                               modular, bestehend aus 9 Baugruppen

Größe des Modells:                       Länge 1170 mm, Breite 410 mm, Höhe 490 mm

Gewicht:                                         ca. 380 N

Kessel:                                           stehender Rauchrohrkessel aus Niro, Inhalt ca. 1,7 Liter

Feuerung:                                       Gasfeuerung mit zwei Brennern

Kesseldruck:                                   3 bar

Dampfmaschine:                           zwei Zylinder, direkter Antrieb der Vorderräder

Zeichnungen