Beschreibung des Modells des automobilen Straßenzugs der Freibahngesellschaft aus Seegefeld

Noch Anfang des 20. Jahrhunderts bereitete der Transport von Massengütern auf der Straße große Probleme. Üblich war der Einsatz von Fuhrwerken, in seltenen Fällen kamen dampfgetriebenen Zugmaschinen mit mehreren Anhängewagen zum Einsatz. Diese Maschinenverbände hatten aber viele Nachteile. Sie waren beispielsweise für das Fahren von engeren Kurven nicht geeignet, bei Bergfahrten reichte die Traktion oft nicht und bei Talfahrten gab es Bremsprobleme. Die Lastkraftwagen mit Explosionsmotoren waren noch keine Alternative, die Entwicklung steckte noch in den Kinderschuhen. Das Transportproblem musste aber dringend gelöst werden, da beispielsweise beim Militär die Nachschubversorgung schnell vorrückender Truppenverbände mit den traditionellen Mittel Feldbahn oder Pferd und Wagen nicht mehr gelöst werden konnte. Auch die rasante Entwicklung der städtischen Zentren mit ihrem immensen Bedarf an Gütern aller Art verlangte nach leistungsfähigen Mitteln für den Gütertransport auf der Straße. Eine Idee sollte die Lösung bringen: das Prinzip der Eisenbahn sollte wieder auf die Straße gebracht werden. Ganz neu war die Idee nicht, schon in den 1830er Jahren fuhren Straßenzüge im Güterverkehr. Neu war bei den modernen Straßenzügen, das man eine völlig neue Fahrzeugkategorie schaffen wollte: eine automobiles Straßenzugsystem. Bei diesem System waren die Zugmaschine und die Anhängewagen ein aufeinander abgestimmtes Ganzes. Eine spezielle Zugmaschine bewegte spezielle Anhängewagen. Beide Elemente waren sinnvoll nur im Verbund nutzbar.

Die Freibahngesellschaft in Seegefeld baute zwischen 1900 und 1912 die letzten Straßenzüge dieser Art mit Dampfantrieb in Deutschland. Danach gab es diese Maschinen nur noch mit Antrieb durch Explosionsmotoren oder kombiniertem Antrieben bestehend aus einem Explosionsmotor mit Generator und elektrischen Antriebsmotoren für die Räder. Der Freibahnzug war technikgeschichtlich eine herausragende Konstruktion und von der Größe her ein Superlativ. Mit dem Zug gelang es der Freibahngesellschaft, fast alle Nachteile üblicher Transportmittel für Massengüter zu beseitigen. Die gesamte Konstruktion war durch eine Vielzahl an Patenten gesichert. Der Freibahnzug war seinerzeit das größte dampfgetriebene Fahrzeug, dessen Betrieb auf öffentlichen Straßen zugelassen war. Mit sechs Anhängewagen betrug die Zuglänge fast 35 Meter. Die Nutzlast lag bei max. 30 Tonnen.

Die Freibahngesellschaft baute etwa ein Dutzend Straßenzüge. Fast jedes Fahrzeug war eine Sonderanfertigung. Sie absolvierten einige militärische Erprobungsfahrten, ein Teil wurde für den Transport landwirtschaftlicher Massengüter (Zuckerrüben, Kartoffeln etc.) eingesetzt, ein Teil im Straßenbau, einige in den Städten, um Güter zu den Großhandelszentren zu bringen. Die Zugmaschine war zweiteilig. Sie bestand aus einem Triebkopf und einem Tender. Für den Freibahnzug gab es die unterschiedlichsten Anhängewagen. Wie so häufig in der Geschichte der Technik, wurden die überragenden Eigenschaften einer Maschine durch eine starke Zunahme bei deren Komplexität erkauft. Beim Freibahnzug war es ähnlich. Es gelang im Verlauf der Entwicklung nicht, die Komplexität vollständig zu beherrschen.

Das Modell des Freibahnzuges umfasst nur die zweiteilige Zugmaschine, den Triebkopf. Die Informationssituation für den Bau des Modells war sehr gut. Es konnte eine genaue Beschreibung eines Zuges aus dem Jahr 1907 mit technischen Skizzen gefunden werden. Sie wurde als Basis für das Modell verwendet. Die wichtigsten Modelldaten sind:

Modelldaten

Modellmaßstab:                                 1 : 6

Modellaufbau:                                     modular, bestehend aus 7 Baugruppen

Größe des Modells:                            Länge 1240 mm, Breite 320 mm, Höhe 500 mm

Gewicht:                                             ca. 480 N

Kessel:                                                 Wasserrohrkessel aus Kupfer, Inhalt ca. 1,2 Liter

Feuerung:                                            Gasfeuerung mit Flächenbrenner

Kesseldruck:                                       max. 4 bar

Dampfmaschine:                                 zwei oszillierende Zweizylindermaschinen

Antrieb:                                             je Rad eine Maschine, Antrieb über Dreifachvorgelege

Lenkung:                                             Planetenlenkung (Patent der Freibahngesellschaft)

Zeichnungen

Neu: Ein Nachbau des Modells

Beispiel eines Modells des Freibahnzuges

Ein außerordentlich sorgfältiges gebautes Modell mit vielen Verbesserungen hat Herr Ralf Kapler aus Loxstedt angefertigt. Für dieses Modell sind von ihm auch zwei einachsige Anhängewagen gebaut worden. Diese im Verbund eingesetzten Wagen, hatten einen besonderen Lenkmechanismus, der ebenfalls ein Durchfahren sehr enger Kurven gestattete. Die folgenden Bilder zeigen das Modell.